Tote haben keine Lobby

Der Elektriker

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Dokumentation | 45 Min. | ARD | 2006
Buchvorlage: Sabine Rückert | Drehbuch & Regie: Manfred Uhlig | Kamera: Christian Girardet
Darsteller: Jürgen Wink, Anna Bordskaja-Bomke

Janja Pillinger war 39 Jahre alt, lebenslustig und vital. Nichts deutete auf ein plötzliches Ableben hin. Als Polizisten ihre Leiche leblos im Ehebett finden, gehen sie dennoch von einem Routinefall aus. Was sie nicht wissen: Die junge Frau ist bereits die vierte Ehefrau, die innerhalb von 17 Jahren an der Seite des Elektrikers Otto Pillinger stirbt.

Erst jetzt merkt die Staatsanwaltschaft auf und lässt die Leiche untersuchen. Es war Mord. Der Elektriker hatte seine Frau durch einen Stromstoß regelrecht exekutiert. Dass auch die drei vorangegangenen Ehefrauen von ihrem Mann auf die gleiche Art umgebracht wurden, darauf deutet vieles hin. Doch vor Gericht konnten die Taten nicht nachgewiesen werden, denn dreimal hatten Ärzte den „natürlichen Tod“ bescheinigt. Polizeiliche Ermittlungen fanden daher gar nicht erst statt.

Gibt es den perfekten Mord? Der ARD-Zweiteiler „Tote haben keine Lobby“ geht der Frage nach, wie es möglich ist, dass in Deutschland - ohne dass es jemand bemerkt - Menschen ermordet werden. 1200 bis 2400 Fälle jährlich sind es einer Studie des Münsteraner Gerichtsmediziners Prof. Dr. Bernd Brinkmann zufolge, das heißt: Jeder zweite Mord in Deutschland bleibt unentdeckt. Die Gründe sind vor allem Arbeitsüberlastung, Desinteresse und Geldmangel bei Polizei und Staatsanwaltschaften, denn eine Obduktion bei einem zweifelhaften Todesfall kostet 500 €. Hinzu kommt: Die Ausstellung von Totenscheinen liegt hierzulande in der Hand der Hausärzte. Und die sind in der Regel nicht dafür ausgebildet, Mordspuren wie Würgemale, Strommarken und Vergiftungserscheinungen zu erkennen.

Es ist keine beruhigende Perspektive, die Autor Manfred Uhlig (angelehnt an das Buch von Sabine Rückert: „Tote haben keine Lobby“) aufzeigt. Unentdeckte Serienmorde wie die der Altenpflegerin und des Elektrikers können sich jederzeit wiederholen.